Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

14.12.2018

Baden-Württemberg erwägt Pflicht zu kommunalen Wärmeplänen

Baden-Württemberg beschäftigt sich mit der Wärmewende nach dänischem Vorbild. Die Landesregierung prüfe, ob sie Städte und Gemeinden verpflichtet, kommunale Wärmepläne aufzustellen.

Das sagte Tilo Kurtz, Referatsleiter im Stuttgarter Umweltministerium, bei einer Tagung der Agentur für erneuerbare Energien in Berlin. In Wärmeplänen können Kommunen ihre Potenziale für die klimaneutrale Wärmeerzeugung erheben und Transformationspfade zur Dekarbonisierung entwickeln. In Dänemark sind solche Pläne schon seit Ende der 1970er Jahre Pflicht. Sie gelten als zentraler Baustein für den dort erfolgten Ausbau von klimafreundlichen Wärmenetzen.

Bei der Evaluierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWK-G) hatten die Gutachter der Bundesregierung im Sommer bereits empfohlen, zu prüfen, ob kommunale Wärmepläne eine Fördervoraussetzung im KWK-G werden sollten. Der Bund solle zumindest einheitliche Standards für Wärmepläne definieren. Dies wurde im kürzlich verabschiedeten Energiesammelgesetz aber nicht umgesetzt. Eine langfristige Planung der Wärmeversorgung würde auch den Haushalten helfen, argumentierte Kurtz. Falls sich einzelne Gasverteilnetze in manchen Kommunen in Zukunft nicht mehr rechneten, müssten sich die Verbraucher beim Kauf ihrer Heizungsanlagen darauf einstellen können.

Abwärme mit großen Potenzial

Riesige Potenziale sahen die Teilnehmer der Tagung vor allem bei der Abwärme. In Thüringen könne theoretisch mindestens ein Viertel der Haushalte mit industrieller Abwärme beheizt werden, sagte Martin Gude aus dem Erfurter Umweltministerium. Technisch sei die Nutzung von Abwärme aus Industriebetrieben allerdings eine riesige Herausforderung, erläuterte Björn Dietrich, von der Behörde für Umwelt und Energie der Stadt Hamburg. So müsse meist noch zusätzlich mit Gaskesseln aufgeheizt werden. Außerdem stehe Abwärme nicht gleichmäßig zur Verfügung.

In Niedersachsen arbeitet die Klimaschutz- und Energieagentur des Landes vor allem daran, die Wärmeplanung in die kommunale Praxis zu bringen. Deren Geschäftsführer, Lothar Nolte, sieht einen Weg darin, die Wärmeplanung als Teil der Siedlungsplanung darzustellen. Durch das Baugesetzbuch sei eine umweltfreundliche Energienutzung bereits ein Abwägungsgrund in der Bauleitplanung. Praktische Hilfestellungen zu solchen Abwägungsgründen würden bei Kommunalverantwortlichen durchaus auf Interesse stoßen.

Vorbild Borkum

In einem Pilotprojekt setzen drei niedersächsische Landkreise die Wärmeplanung im Rahmen der Regionalplanung um. Auch dort liegt ein Schwerpunkt darin, mögliche Anbieter von Abwärme in der Industrie zu finden. Um die Akzeptanz für ein Umsteuern in der Wärmeversorgung zu sichern, sieht Nolte einen Ratsbeschluss und die vorausgehende öffentliche Debatte als ein Mittel der Wahl an. Als Beispiel hob er die Insel Borkum hervor, die bis 2030 klimaneutral werden möchte und mittels Wärmepumpen die Nordsee als Wärmequelle nutzen will. /mb



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