Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

15.03.2019

Branche sucht neue Strategie für den Wärmemarkt

Die Bundesregierung hat auf Fachmesse "ISH 2019" in Frankfurt ihre Abkehr von einer "All-electric"-Strategie im Wärmemarkt bekräftigt. "Der Wärmemarkt benötigt eine Strategie, bestehend aus 'efficiency first' und einer diversifizierten Energieversorgung, in der nicht nur erneuerbarer Strom, sondern auch 'green gases' und 'green fuels' eine zentrale Rolle spielen",

sagte Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik im Bundeswirtschaftsministerium auf  einer Veranstaltung des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Der BDH begrüßte die Ankündigung. Grüne Gase und grüne Brennstoffe seien wichtige Bausteine der Energiewende, sagte BDH-Präsident Uwe Glock. "Erneuerbare Energien gewinnen damit nicht nur im Strommix an Bedeutung, sondern auch im Gasnetz und bei flüssigen Brennstoffen."

Zur Einhaltung der CO2-Ziele für 2030 fordert der BDH-Präsident einen engen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft. "Bleibt es bei dem seit Jahren stagnierenden Modernisierungstempo im Gebäudebereich, rücken die Pariser Klimaschutzziele in weite Ferne", so Glock. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) hatte zum Auftakt der Messe noch einmal Ergebnisse einer Umfrage unter Hausbesitzern präsentiert, die einen Trend zur Wärmewende bislang nicht erkennen lassen (energate berichtete). So denken beim Thema Energiewende nur 23 % der Befragten an die Heizung. Dominiert werde die öffentliche Wahrnehmung vom Thema Strom. Die Politik agiere beim Wärmemarkt noch zu zögerlich und setze zu geringe Impulse, kritisierte Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK.

Verbände wollen neue Förderstrategien

Um den Klimaschutz voranzubringen, brauche es wirkungsvolle Instrumente, wie die im Koalitionsvertrag vorgesehene steuerliche Abschreibung auf energetische Sanierungsmaßnahmen, so Bramann weiter. "Die bisherigen staatlichen Fördermittel als Modernisierungsanreize im Wärmemarkt bringen nicht die notwendigen Anreize, sie werden von den Verbrauchern nicht wirklich signifikant genutzt." Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sind die steuerlichen Abschreibungen zwar vorgesehen, das Finanzministerium hat aber bisher keine Mittel eingeplant (energate berichtete). 

Aus Sicht des Energiewirtschaftsverbands BDEW und der Brancheninitiative Zukunft Erdgas sind die über die staatliche KFW ausgeschütteten Fördermittel zur Gebäudesanierung dagegen ein "wesentliches Instrument, um die Sanierungsquote zu steigern". Allerdings sollte der Bund seine Förderstrategie stärker an CO2-Einsparungen ausrichten (energate berichtete). Laut einer Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Zukunft Erdgas könnten mit einer Heizungsmodernisierung die größten CO2-Einsparungen pro Fördereuro erzielt werden.

Auch der Solarwirtschaftsverband BSW verlangt mehr Engagement vom Bund, um den Sanierungsstau aufzulösen. Sein Vorschlag ist eine verbindliche Vorgabe für die Nutzung erneuerbarer Energien bei der Heizungsmodernisierung. "Wirksame Lösungen liegen seit langem in der Schublade", so BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Als Beispiel nannte er die  aufkommensneutrale CO2-Bepreisung oder moderate und sozial abgefederte gesetzliche Mindeststandards auch im Gebäudebestand. /tc



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