Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

14.06.2019

Energiewende stockt

Während der Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor bisher gut voran kommt, hinkt die Bundesregierung den Zielen im Verkehr- und Gebäudesektor sowie der Energieeffizienz weiter hinterher. Das zeigt der Fortschrittsbericht zur Energiewende.

Erfüllt wird demnach das Ziel von 35 % erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Jahr 2020. Tatsächlich dürfte der Wert im laufenden Jahr schon auf über 40 % steigen. Auch der angepeilte Anteil von 14 % Wärme aus erneuerbaren Energien dürfte erreicht werden.  

Deutlich verfehlt wird dagegen das Ziel, den Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 % im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Bundesregierung rechnet mit einem Minus von maximal 11 %. Der Grund: Der Energieverbrauch für Gebäude und Verkehr ist in den vergangenen Jahren kaum gesunken. Der Trend sei gegenläufig zu den Zielen, heißt es in dem Bericht. Das Verfehlen der Vorgaben bei Gebäude und Verkehr hat bekanntermaßen Folgen für das ursprünglich Ziele der Bundesregierung, den gesamten CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 % zu reduzieren. Realistisch scheint ein Wert von 32 %.

Altmaier: Wirtschaftswachstum vom CO2-Ausstoß entkoppelt

Die Bundesregierung listet verschiedene Maßnahmen, um bei der Energiewende wieder auf Kurs zu kommen. Dazu zählt der Kohleausstieg, das Maßnahmenprogramm für die Sektorziele 2030, aber auch das Gebäudeenergiegesetz oder eine Effizienzstrategie. "Der Fortschrittsbericht zeigt: Wir haben bereits einiges erreicht, ein gutes Stück des Weges liegt aber auch noch vor uns", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er hob hervor, dass es gelungen sei, das Wirtschaftswachstum von den Treibhausgasen zu entkoppeln.
 
Von der Opposition kommt Kritik. Die Sprecherin für Energiepolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, Julia Verlinden, sprach von einem "Rückschrittbericht". In zentralen Felder der Energiewende sei die Regierung von ihren Zielen entfernt. Der energiepolitische Sprecher der FDP, Martin Neumann, betonte, Netze und Speicher blieben Sorgenkinder einer schlecht gemanagten Energiewende. "Zugleich bleibt die Frage nach der Versorgungssicherheit beim bevorstehenden Ausstieg aus Kohle- und Kernenergie unbeantwortet", so Neumann.

Experten: CO2-Preis statt Umlagen

Begleitet wird der Fortschrittsbericht von einer unabhängigen Expertenkommission aus Wissenschaftlern. Diese schlug als Reaktion auf die Ergebnisse vor, Umlagen auf Elektrizität durch einen CO2-bezogenen Zuschlag auf fossile Energien zu ersetzen. Durch eine solche Reform könnten große Anreize für klimafreundliche Investitionen entstehen. Die Experten sehen ebenfalls Handlungsbedarf bei der Versorgungssicherheit solange der Netzausbau nicht vorankommt.

VKU: Solardeckel aufheben

VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche verwies darauf, dass die Energiewirtschaft ihre Klimaschutzziele erfülle. "Jetzt kommt es darauf an, dass der Ausbau für Erneuerbaren Energien nicht zum Erliegen kommt." Zuletzt waren insbesondere die Zubauzahlen bei der Windenergie eingebrochen. Reiche forderte eine Flächenausweitung für Freiflächen-PV sowie eine Aufhebung des Solardeckels. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) betonte, den Bereichen Wärme und Verkehr fehle weiterhin die Initialzündung. "Eine Maßnahme, die keinen weiteren Aufschub mehr duldet, ist die Einführung eines wirksamen CO2-Preises für alle Sektoren", sagte BNE-Geschäftsführer Robert Busch. Nur so entstehe ein Level-Playing-Field zwischen den Energieträgern. /kw




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