Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

05.07.2019

KWK-Förderung an Treibhausgasemissionen koppeln

Die Förderung von KWK-Anlagen sollte zukünftig daran gekoppelt werden, dass eine signifikante Einsparung von Treibhausgasemissionen erzielt wird. Das betrifft insbesondere die Nutzung von Biogas und Erdgas in Gasmotoren.

Aufgrund der unvollständigen Verbrennung gelangt hier Methan in die Atmosphäre, das eine stärkere Treibhausgaswirkung hat als CO2. Voraussetzung für eine Förderung sollte daher sein, dass auch unter Einbeziehung dieses Methanschlupfs eine deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen erzielt wird. So lautet eine der Empfehlungen aus dem aktuellen Berichtsentwurf "Evaluierung der Kraft-Wärme-Kopplung" im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Bericht (Stand April 2019) liegt energate vor.

Die beauftragten Institute Fraunhofer IFAM, Öko-Institut, BHKW-Consult, Stiftung Umweltenergierecht und Prognos stellen der KWK-Förderung in ihrem Bericht ein gutes Zeugnis aus. Die für die Stromerzeugung angestrebten Ziele von 110 Mrd. kWh im Jahr 2020 und 120 Mrd. kWh im Jahr 2025 werden aller Voraussicht nach erfüllt, das 2020-Ziel vermutlich sogar übererfüllt. Grundsätzlich empfehlen die Studienautoren, die KWK-Förderung frühzeitig bis 2025 zu verlängern. Die gesetzten Ziele könnten dabei beibehalten werden.

Neuausrichtung an Flexibilität und Wärme

Darüber hinaus raten die Institute zu einer Neuausrichtung der Förderung, die stärker auf Flexibilität und die Wärmeproduktion abstellt. So schlagen sie zum einen vor, dass die KWK bis 2030 einen Anteil an der regelbaren Stromerzeugung von 40 bis 45 Prozent erreichen soll. Als Anreiz für eine flexible Fahrweise könnte die Zahl der geförderten Volllaststunden ab dem Jahr 2020 auf 5.000 begrenzt werden. Denkbar sei danach eine Absenkung in wenigen Stufen auf einen Wert von 3.500 Vollbenutzungsstunden im Jahr 2025. Zudem könnten die Regelungen zur Förderung bei negativen Strompreisen verschärft werden.

Mit Blick auf die Wärmewende empfehlen die Autoren ein Ziel für erneuerbare Wärme in der Fernwärmeversorgung von 30 Prozent im Jahr 2030. Dies solle nicht als Wert für ein einzelnes Netz, sondern als übergreifendes Gesamtziel und Orientierung gesehen werden. Als Anreiz zur Dekarbonisierung der Wärmenetze und Quartiere könnte ein Wärmebonus dienen, der neben einem Mindestanteil eine gestaffelte Bonuszahlung bei höheren Erneuerbaren-Anteilen vorsieht. Der Bericht regt auch eine grundsätzliche Neuorientierung der Förderung an. Eine mögliche Konsequenz könne sein, dass zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr der produzierte Strom, sondern ausschließlich die kWh Wärme gefördert wird, heißt es im Berichtsentwurf. Damit würde auch die Kostenumlage ausschließlich auf die Wärmeseite verlagert.

Grenzwert für Methanschlupf zu hoch

Beim Thema Methanschlupf gilt für motorische KWK-Anlagen bis zu einer Leistung von 50 MW laut der 44. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) ab 2025 ein Grenzwert von 1,3 Gramm Gesamtkohlenstoff pro Kubikmeter. Unter Klimaschutzgesichtspunkten sei dieser Wert kritisch zu sehen, schreiben die Autoren. Es erscheine dringend erforderlich, kurzfristig Lösungsvorschläge für eine signifikante Absenkung der Methanemissionen zu erarbeiten. Für Anlagen mit einer Leistung über 50 MW gilt die 13. BImSchV, die gerade überarbeitet wird. Vor diesem Hintergrund gibt der Bericht hier keine Empfehlung ab. Der Methanschlupf bei der Gasverbrennung in Kesseln und Turbinen sei ohnehin vernachlässigbar gering.

Der Evaluierungsbericht der Bundesregierung ist Teil eines Diskussionsprozesses der Bundesregierung, wie die Sektorziele für das Jahr 2030 erreicht werden können. Seit 2018 finden dazu regelmäßige Konsultationen mit Verbänden im Wirtschaftsministerium statt. Ziel einer KWK-Reform ist dabei auch die weitere Umstellung von Kohle- auf Gas-KWK und die Weiterentwicklung hin zu einem flexiblen Strom-Wärme-System, das neben erneuerbaren Energien auch Speicher und Abwärme in die Wärmenetze integriert.

Bundesregierung will EU-Kommission raushalten

Offen ist, welchen Einfluss die EU-Kommission künftig auf die KWK-Förderung hat. Die Bundesregierung hat den bisher bestehenden Notifizierungsvorbehalt Brüssels für EEG und KWK-Gesetz Ende Juni streichen lassen (energate berichtete). Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum EEG. Ob die EU-Kommission dieser Linie folgt und künftig auf eine wettbewerbliche Genehmigung verzichtet, ist unklar. /tc




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