Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

19.07.2019

Marktwächter sehen fehlenden Wettbewerb bei Ablesediensten

Die Marktwächter Energie haben erstmals die Kosten von Ablesediensten für Energieverbräuche analysiert. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Ausgaben für solche Dienste einen "nicht unwesentlichen Bestandteil der Energiekosten für die Verbraucher" ausmachten.

Die Verbraucherschützer prüften dahingehend über 1.600 Heizkostenabrechnungen. Demnach bezahlen mehr als die Hälfte der Verbraucher im Verhältnis zu ihren Heizkosten 10 Prozent und mehr für die Ablesedienstleistung. Fast jeder vierte Mieter zahle sogar 15 % und mehr. Ursächlich hierfür seien die "oligopolistischen Tendenzen" und der fehlende Wettbewerb im deutschen Ablesedienstmarkt, so die Verbraucherschützer. Zudem würden den Kunden durch eine Reihe von Strukturmerkmalen ein Anbieterwechsel erschwert, kritisieren die Marktwächter weiter.

Bei den größten Anbieter haben über 50 % Marktanteile

Den Verbraucherschützern ist der Markt der Ablesedienstleistungen seit Längerem ein Dorn im Auge. Schon bei der Gründung der Marktwächter Energie 2017 war das neue Organ der Verbraucherzentralen angetreten, neben den Segmente Strom, Gas und Fernwärme auch Heizkostenabrechnungen und Monopole von Ablesediensten unter die Lupe nehmen zu wollen (energate berichtete). Auch das Bundeskartellamt hat sich vor zwei Jahren in einer Sektoruntersuchung mit dem Submetering beschäftigt. Die Behörde drängte damals schon auf mehr Wettbewerb (energate berichtete). So gebe es zwar mehr als 200 Messdienstleister auf dem Markt, dennoch kämen die beiden größten Unternehmen Techem und Ista auf einen Marktanteil von 50 bis 60 %. Gemeinsam mit Brunata München, Minol und Kalorimeta seien es gemäß Bundeskartellamt sogar 70 bis 80 %.

Die von den Marktwächtern nun erhobenen Daten seien in Relation zu sehen, so ein Sprecher des Abrechnungsdienstleister Ista auf energate-Nachfrage. Denn wer die Wohnung nur abends und nur unter der Woche nutzt und zudem sehr energiebewusst heizt, habe dank Verbrauchserfassung sehr niedrige Energiekosten. "Der Aufwand, den Energieverbrauch zu messen, sinkt dadurch nicht", so der Sprecher weiter. Somit liege der Messkostenanteil dann höher. Die Messung sei aber dennoch im Interesse des Nutzers, da er Kosten spart und nicht etwa die vielleicht doppelt so hohen Heizkosten des Nachbars mitfinanziert.

2018: Analyse der Heizkostenabrechnung

2018 hatten sich die Marktwächter zudem mit dem Thema Heizkostenabrechnungen beschäftigt, allerdings mit einem anderen Schwerpunkt. Sie kamen damals zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der Abrechnungen fehlerhaft oder zumindest erklärungswürdig sei. Als "alarmierend" bezeichneten die Verbraucherschützer diese Ergebnisse und forderten von der Bundesregierung deswegen einheitliche Qualitätsstandards für die Erstellung von Heizkostenabrechnungen. Auch sollten Messdienstunternehmen dazu verpflichtet werden, Eigentümer auf offensichtliche Fehler und fehlende Plausibilität der Daten hinzuweisen (energate berichtete).

Digitalisierung könnte neue Unternehmen in den Markt bringen

Abhilfe könnten zukünftig vielleicht neue digitalisierte Ablesemethoden schaffen. Erste Unternehmen haben sich bereits auf dieses Geschäftsfeld spezialisiert. Ein Beispiel ist das Start-up Kugu, das Daten zu Wärme- oder Wasserverbrauch in Gebäuden über eigens installierte Datensammler misst (energate berichtete). Auch der Energieversorger EnBW hat gemeinsam mit dem Messdienstleister Minol-Zenner Anfang des Jahres ein entsprechendes Projekt auf Lorawan-Technik gestartet (energate berichtete). /ml



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