Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

23.08.2019

Smart-Meter-Branche steht in den Startlöchern

Die Einführung intelligenter Messsysteme ist zu einem nicht endenden Hindernislauf geworden: Der Rollout verzögert sich immer wieder, zudem gibt es Zweifel an der Leistungsfähigkeit und am Mehrwert bestimmter Geräte. Das Bundeswirtschaftsministerium muss handeln.

Von Katherina Reiche, VKU-Hauptgeschäftsführerin

Jeder deutsche Haushalt soll einen intelligenten Stromzähler bekommen. Dieser könnte Verbrauchern helfen, ihre Energiekosten zu senken. So die Theorie. Doch die Einführung der sogenannten Smart Meter verzögert sich weiterhin. Der Prozess ist längst zu einem nicht endenden Hindernislauf geworden. Dabei sollte mit deren schrittweisen Einführung schon vor zwei Jahren begonnen worden sein. Durch diese Verzögerungen wankt ein weiterer Eckpfeiler der Energiewende. Dabei geht es auch um volkswirtschaftliche Potenziale und neue Geschäftsmodelle. Zahlreiche Unternehmen stehen längst in den Startlöchern. Sie warten nur darauf, neue digitale Produkte und Services auf den Markt zu bringen.

Smart Meter können nur zwei Grundrechenarten

Doch nicht nur an der schleppenden Einführung, auch an Fähigkeiten der kommenden Geräte gibt es Kritik. Die intelligenten Messsysteme der ersten Generation werden bei weitem weniger können als ursprünglich angekündigt. Bildlich gesprochen beherrschen die Geräte mit der Addition oder Subtraktion nur die ersten beiden Grundrechenarten. Multiplikation oder Division können die Geräte nicht abbilden. Das ist aber notwendig, damit sie etwa in einem Wohnquartier die Stromerzeugung beispielsweise aus Fotovoltaikanlagen und den Verbrauch steuern und schalten können.

So wird der versprochene Mehrwert der intelligenten Messsysteme weder für Verbraucher noch für Stadtwerke erreicht. Es ist auch nicht absehbar, ob die Nachfolgegeneration der Geräte dazu in der Lage sein wird. Die Stadtwerke müssen sich darauf verlassen können, dass die Geräte, die auf den Markt kommen, auch technisch den ab 2020 erforderlichen gesetzlichen Anforderungen genügen oder aufgerüstet werden können. Andernfalls drohen Fehlinvestitionen.

Projektmanagement vom Wirtschaftsministerium gefragt

Kostendeckend zu arbeiten, wird ohnehin bei den 100 Euro, die ein Kunde für sein intelligentes Messsytem jährlich zahlen muss, schwierig. Stadtwerken und Netzbetreiben entstehen Kosten durch den Einbau des neuen Zählers, die Installation und Unterhaltung der Datentechnik und - je nach Standort des Zählers - für weitere technische Geräte, um die Signalübertragung sicherzustellen. Ein Beispiel: Befindet sich der Zähler im Keller in einem Metall-Zählerschrank kann es etwa sein, dass zusätzliche Antennen/Verstärker erforderlich sind. Bei den Kosten ist auch ist zu berücksichtigen, dass elektronische Zähler nur eine Eichgültigkeit von acht Jahren haben. Die mechanischen Ferraris-Zähler haben eine Lebensdauer von mindestens 16 Jahren.
 
Das Bundeswirtschaftsministerium muss dringend ein abgestimmtes Projektmanagement einsetzen, um gemeinsam mit den relevanten Akteuren die Digitalisierung der Energiewende voranzutreiben.




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