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27.09.2019

Wärmewende: Heizungsbranche befürchtet Delle

Die Heizungsbranche pocht nach Vorlage des Eckpunktepapiers zum Klimaschutzprogramm nun auf eine zügige Umsetzung der darin angekündigten Maßnahmen wie der sogenannten Abwrackprämie für alte Ölkessel. "Es darf nicht nochmal Monate geredet werden", warnte Uwe Glock, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), anlässlich der "10. Deutschen Wärmekonferenz"

von BDH sowie dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und dem Deutschen Großhandelsverband Haustechnik (DG Haustechnik) in Berlin.

"Wir benötigen jetzt konkrete Verordnungen und Gesetze, die zügig im Bundesrat und Bundestag verabschiedet werden müssen", so Glock weiter. Die Maßnahmen seien da, neue werde es nicht geben. Er appellierte an die Bundesregierung, nun Tempo bei deren Ausgestaltung aufzunehmen und die Branche bei dem Prozess mit einzubeziehen. Diesbezügliche Anfragen aus dem Bundeswirtschaftsministerium habe es bereits gegeben, sagte Glock auf energate-Nachfrage. Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, ergänzte: "Wir rechnen für die nächsten drei Monate mit einer Delle" - das heißt einer Zurückhaltung im Markt wegen der noch nicht final abgestimmten Rahmenbedingungen. Dieser Zustand dürfe aber nicht lange anhalten. "Das Handwerk muss verkaufen können", so Bramann.

Glock: "Prämie hilft, Modernisierungsstau aufzuheben"

Grundsätzlich begrüßten BDH, ZVSHK und DG Haustechnik die Beschlüsse der Bundesregierung. Die Wärmewende können nun, "nach jahrelangem Hin und Her", endlich starten, erklärten die Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie hoben insbesondere die geplanten steuerlichen Anreize für die energetische Sanierung von Gebäuden hervor. Hierfür soll die Steuerschuld - verteilt über drei Jahre - um 20 % der Kosten sinken. Die Prämie für den Tausch alter Ölkessel oder anderer fossiler Heizungen sei eine positive Ergänzung. 40 % der Investitionssumme soll gemäß Klimakabinett künftig der Staat tragen. Das "dürfte helfen, den enormen Modernisierungsstau in deutschen Heizungskellern beschleunigt aufzuheben", meint BDH-Chef Glock. Nachbesserung wünscht er sich bei Ölheizungen. Zwar würden im Neubau schon heute keine mehr verbaut. Im Bestand allerdings seien Hybridsysteme - also etwa mit einer Wärmepumpe - ein großes Thema. Dadurch ließen sich bis zu 60 % CO2 einsparen.

Mindrup: "Dramatische Diskriminierung von Eigenstrom"

Dazu, wie viel Zeit die Koalition aus Union und SPD dafür einplant, die Ankündigungen vom 20. September in Gesetze zu gießen, machten die anwesenden Fraktionsvertreter keine Angaben. Carsten Müller (CDU) bezeichnete diese als vernünftigen Ansatz und eine Chance für das Handwerk. Das Klimakabinett habe Klimaschutz, Wachstum sowie sozialen Ausgleich im Blick gehabt. Klaus Mindrup (SPD) fügte hinzu, es gelte, das Klein-Klein zu überwinden. "Wir müssen jetzt miteinander sprechen und pragmatische Lösungen und Ziele evaluieren", so Mindrup. Er monierte insbesondere eine "dramatische Diskriminierung" von Eigenstrom in Quartieren. Die Bundesregierung müsse zudem die Bedingungen für Energiespeicher und Wasserstoff verbessern, beide Technologien "brauchen wir auf jeden Fall", so Mindrup.

Verlinden: "Fossile Heizungen früher verbieten"

Kritik kam von der Opposition, in Person von Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Grünen-Fraktion. Ihrer Ansicht nach sendet die Regierung die falschen Signale. So stehe Deutschland eigentlich nicht am Anfang einer Diskussion über Klimaschutz. Sondern: "Wir wissen das seit 30 Jahren", so Verlinden. Sie mahnt den Bund nun zur Eile, das Eckpunktepapier umzusetzen und vor allem nachzubessern. Denn damit würden die Klimaziele nicht erreicht, ist sich Verlinden sicher. Das Verbot für den Einbau neuer Ölheizungen im Jahr 2026 kommt ihr zu spät. Sie hält 2021 für sinnvoll. Förderprogramme seien wichtig, "wir müssen aber gleichzeitig von hinten etwas drücken". Der Steuerbonus für energetische Sanierungen, so Verlinden, werde darüber hinaus nicht an den Grünen scheitern, kündigte sie an. /dz



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