Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

11.10.2019

BDEW-Studie: So heizt Deutschland

Wer die Heizungsmodernisierung mit einem Wechsel des Energieträgers verbindet, entscheidet sich in der Regel für Erdgas. Das zeigt die repräsentative Studie "Wie heizt Deutschland?", die der Branchenverband BDEW bei den Marktforschern von Prolytics Market Research in Auftrag gegeben hat.

Seit 2009 wurde demnach in 80 % der Fälle zu einem gasbetriebenen Heizungssystem gewechselt, teilte der BDEW mit. So wurden in 275.406 Wohngebäuden Ölheizungen auf Erdgas umgestellt. Bei weiteren 87.488 Heizungen wechselten die Eigentümer von Strom auf Erdgas. Für eine Umstellung auf Fernwärme entschieden sich 17.805 Nutzer einer Erdgasheizung und 16.946 Nutzer einer Ölheizung. In weiteren 39.947 Gebäuden wurde eine Ölheizung durch eine Stromheizung ersetzt.

Viel Potenzial zum Wechsel von Öl auf Gas

"Der Energieträgerwechsel ist ein wichtiger Schritt zur schnellen Senkung der CO2-Emissionen im Wärmemarkt", erklärte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Die Studie zeige, dass immense CO2-Einsparpotenziale verschenkt werden. So liegen von den rund 5,8 Mio. Gebäuden, die mit Öl beheizt werden, etwa 2,7 Mio. in einem Gebiet, das ohnehin mit einer Gasleitung oder einem Fernwärmenetz verbunden ist. Bei rund 2 Mio. Einfamilienhäusern und 231.000 Mehrfamilienhäusern besteht die Möglichkeit zum Anschluss ans Gasnetz. 489.000 Einfamilien- und 30.000 Mehrfamilienhäuser haben das Potenzial für einen Fernwärmeanschluss.

Dabei fällt auf, dass großes Potenzial für die Umstellung auf eine netzgebundene Wärmeversorgung auf dem Land besteht. In Kommunen mit bis zu 50.000 Einwohnern befinden sich 4,5 Mio. der rund 5,8 Mio. Ölheizungen. Davon lassen sich laut Studie etwa 1,9 Mio. auf Gas oder Fernwärme umstellen. In der Stadt liegt die Quote naturgemäß höher. In Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern besteht bei rund 835.000 der 1,3 Mio. mit Öl beheizten Gebäuden die Möglichkeit zum Anschluss ans Gas- oder Fernwärmenetz. "Insgesamt ließen sich recht schnell und unkompliziert 14 Mio. Tonnen CO2 vermeiden", rechnet Kapferer vor.

Moderne Heizungen sind fit für grüne Gase

Dass sich die Eigentümer mit der Umstellung auf eine Gasheizung auf Jahre an einen fossilen Energieträger binden, weist der BDEW zurück. Moderne Gasheizungen ließen sich schon heute ohne technische Umstellung auch mit grünen Gasen wie Biomethan und künftig auch mit Wasserstoff betreiben. So könnten Verbraucher das Potenzial moderner Gastechnik auf Erneuerbaren-Basis weit über 2030 hinaus ausschöpfen. "Die Bundesregierung muss jetzt endlich Maßnahmen ergreifen, die einen schnellen und weitreichenden Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen im Wärmemarkt leisten", fordert Kapferer. Es sei längst überfällig, dass mit dem Klimaschutzpaket die steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Sanierungen im Gebäudebereich eingeführt werde. Auch bei weiteren Fördermechanismen sei wichtig, sie praktikabel und für Bürger überschaubar auszugestalten. "Das kann die dringende notwendige Modernisierungsoffensive im Wärmemarkt ankurbeln", so Kapferer.

Neben dem Umstellungspotenzial haben sich die Marktforscher von Prolytics auch mit einer Bestandsaufnahme zu den eingesetzten Energieträgern im Wärmemarkt und der Altersstruktur der Heizungen in Deutschland befasst. So verfügen 81,8 % der 18,9 Mio. erfassten Wohngebäude über eine Zentralheizung. Eine Erdgas-Zentralheizung weisen dabei 40,5 % der Gebäude auf. Hinzu kommen 5,4 % mit einer Gasetagenheizung und 1,8 % mit einem Gaseinzelofen. Gas-Wärmepumpen eingerechnet, wird in 49,3 % der Gebäude Gas als Wärmequelle genutzt. 29,8 % der Gebäude werden über eine Öl-Zentralheizung mit Wärme versorgt. Der Fernwärmeanteil liegt bei 6,6 %. Das durchschnittliche Alter einer Heizung - über alle Wohnungen und Wärmeträger hinweg - liegt bei 17 Jahren. Dabei sind 24,2 % der Anlagen 25 Jahre und älter.

Wärme aus der Leitung punktet bei Kundenzufriedenheit

Nach Bundesländern getrennt befinden sich die meisten Wohnungen, die über eine Ölzentralheizung versorgt werden, in Bayern (34,9 %) und Hessen (34,8 %). Spitzenreiter bei der Gaszentralheizung ist Niedersachsen mit einem Anteil von 50,6 Prozent der Wohnungen. Den höchsten Fernwärmeanteil weisen Berlin (37,1 %) und Mecklenburg-Vorpommern (36,6 %) auf. Die ältesten Heizungen sind in Hamburg (19 Jahre), Hessen (18,9 Jahre) und Baden-Württemberg (18,8 Jahre) im Einsatz.

Wie der BDEW hervorhebt, punktet die leitungsgebundene Wärmeversorgung auch bei der Zufriedenheit der Nutzer. Am besten bewertet wird hier die Fernwärme mit einer Durchschnittsnote von 2,0. Dahinter liegen die Gasheizungen mit 2,1 und die Elektrowärmepumpen mit 2,2. Erst mit einigem Abstand folgen die Ölheizungen mit 2,6 und mit Strom betriebene Nachtspeicheröfen mit 3,1. Die Studienergebnisse sind auf der Seite des BDEW veröffentlicht. /tc



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