Hintergrund Energiedienstleistung ContractingEinspar-Contracting

15.11.2019

Bundesregierung stellt KWK-Förderung um

Mit dem Kohleausstiegsgesetz nimmt die Bundesregierung auch eine Neuordnung bei der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) vor. Die KWK sei ein wichtiger Baustein der Energiewende im Strom- und Wärmesektor, heißt es im Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes. "Damit das so bleibt, soll die KWK weiterentwickelt und umfassend modernisiert werden."

Zentrale Neuerungen sind die Neugestaltung des Kohleersatzbonus, der für die Umstellung von Kohle- auf Gas-KWK gewährt wird, sowie die Einführung eines "Südbonus" für den netzentlastenden Bau neuer Anlagen südlich der Mainlinie. Zudem nimmt der Entwurf Weichenstellungen bei der Förderung innovativer KWK-Systeme vor, die den Einsatz erneuerbarer Wärme anreizen sollen.

Kohleersatzbonus wird auf einen Schlag gezahlt

Aus dem Kohleersatzbonus von derzeit 0,6 Cent/kWh für 30.000 Vollbenutzungsstunden wird eine Einmalzahlung von 18 Mio. Euro je 100 MW elektrischer Leistung. Die Gesamtförderung bliebe in etwa gleich, sei für die Unternehmen aber vorteilhaft, da sie das Geld komplett mit Beginn der Förderung erhalten und nicht mehr über rund zehn Jahre gestreckt, heißt es im Entwurf. Voraussetzung für die Bonuszahlung ist, dass die neue Gas-Anlage in das gleiche Wärmenetz einspeist wie die alte Kohle-Anlage, die sie ersetzt. Bislang reichte das Eigentum an neuer und alter Anlage, unabhängig vom Standort. Dies habe zu Mitnahmeeffekten geführt, zum Beispiel, indem vor dem Bau einer neuen KWK-Anlage noch kohlegefeuerte Anlagen erworben wurden, um den Bonus zu erhalten.

Südbonus soll Zubau steuern

Eine weitere Einmalzahlung stellt der Südbonus dar. Dieser wird gewährt, wenn eine neue KWK-Anlage südlich der Netzengpässe im Frankfurter Raum und der Landesgrenzen Thüringens und Bayerns errichtet wird. Das Gesetz nennt im Anhang Landkreise, in denen der Südbonus gelten soll. Diese liegen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Der Bonus beträgt einmalig 6 Mio. Euro je 100 MW elektrischer Leistung. Für Anlagen, die diesen Bonus in Anspruch nehmen, wird die KWK-Förderung auf maximal 2.500 Vollbenutzungsstunden im Jahr beschränkt.

Die Förderung werde damit nicht gekürzt, sondern zeitlich gestreckt, um eine flexiblere Fahrweise anzureizen, heißt es. Zielsetzung ist, dass eine neue KWK-Anlage größer dimensioniert wird, als für die Wärmeversorgung benötigt. Um die Stromnetze zu entlasten, müssen die Anlagen in der Lage sein, auch ohne Nutzwärmenachfrage in voller Höhe Strom zu produzieren. Der Südbonus ist beschränkt auf eine Inbetriebnahme vor dem 31. 12.2025. Ab diesem Zeitpunkt sei damit zu rechnen, dass der Netzausbau so weit fortgeschritten ist, dass keine Anreize für ein netzstabilisierendes Verhalten mehr benötigt werden, argumentiert die Bundesregierung.

Innovative erneuerbare Wärme und elektrische Wärmeerzeuger

Neben Kohleersatz- und Südbonus treten noch zwei weitere Boni. So gibt es künftig einen Bonus für innovative erneuerbare Wärme und einen für elektrische Wärmeerzeuger. Erneuerbare Wärme fördert das Gesetz im Rahmen der innovativen KWK ab einer Leistung von 1 MW. Der Bonus ist gestaffelt und soll die Mehrkosten abdecken, die beim Aufbau innovativer Systeme mit verschiedenen erneuerbaren Quellen, Speichern und Power-to-Heat-Anlagen anfallen. Der Bonus startet bei einem Anteil von zehn Prozent erneuerbarer Wärme mit 0,8 Cent/kWh und erhöht sich in Schritten von je fünf Prozentpunkten. So sind es 1,2 Cent/kWh bei 15 % , 1,8 Cent/kWh bei 20 % bis hin zu einer Maximalförderung von 7 Cent/kWh bei 50 % Erneuerbaren-Anteil.

Der Aufschlag für den Einsatz elektrischer Wärmeerzeuger beträgt 0,3 Cent/kWh. Anders als beim Südbonus wird er nur für Anlagen gewährt, die nicht in der Südregion, sondern im Norden Deutschlands errichtet werden. Der Einsatz von Strom in der Wärmeproduktion soll netzentlastend wirken. Würden dagegen Anlagen im Süden günstigen Strom für die Wärmeerzeugung einkaufen, könnte dies zu einer Verschärfung der Nord-Süd-Netzengpässe führen, heißt es zur Begründung. Der Bonus gilt für Anlagen ab 1 MW Leistung und mit einem "fabrikneuen elektrischen Wärmeerzeuger".

Anreize für eine flexible Fahrweise

Grundsätzlich wird im Sinne einer flexiblen Fahrweise die jährliche KWK-Förderung für alle Anlagen auf 3.500 Vollbenutzungsstunden reduziert. Das gilt heute schon bei Anlagen zwischen 1 und 50 MW. Anlagen können prinzipiell auch mehr Stunden im Jahr laufen, erhalten dann aber keine KWK-Förderung. Eine Beschränkung der Förderung gilt künftig auch in Zeiten negativer Strompreise. Das gilt für KWK-Anlage ab einer Größe von 50 kW.

Bei der Förderung von Wärmenetzen wird der KWK-Mindestanteil von derzeit 25 auf 10 % herabgesetzt. Damit will die Bundesregierung Fehlanreize bei der Nutzung industrieller Abwärme oder erneuerbarer Wärme vermeiden. Zudem wird der Zuschlag für Wärmenetze künftig unabhängig vom mittleren Nenndurchmesser der neu verlegten Wärmeleitungen gewährt. Die bislang geltende Beschränkung habe auf Effizienzvorteile von Netzen mit höheren Temperaturen abgestellt. Künftig würden Netze mit geringeren Temperaturen und höheren Leitungsdurchmessern relevanter werden, um erneuerbare Erzeuger und Niedertemperaturabwärme einzubinden, heißt es im Gesetzentwurf. Die nächste Evaluierung der KWK-Förderung verschiebt das Gesetz um ein Jahr auf 2022. Weitere Überprüfungen sind für die Jahre 2025 und 2029 vorgesehen. /tc



Twitter-Logo
FOLGEN

NEWSTICKER
27.01.2020

Intern / Contractinganfragen

Contractor für Neubau in Berlin gesucht (nur VfW-Mitglieder)

27.01.2020

Veranstaltungen / Seminare

Jahreskongress Energiewende in der Wohnungswirtschaft

27.01.2020

Presse / Mitteilungen

BGH stärkt den Begriff der Kundenanlage und damit die Potentiale von KWK- und PV-Mieterstrom

alle Meldungen

 

04.02.2020, Hannover

Optimierung des Strom- & Erdgaseinkaufs

Es werden die in der Praxis umgesetzten Modelle und Strategien für die Beschaffung von Strom- und Erdgas dargestellt. ... mehr

  • Seminar
  • Seminar
  • Seminar